Abschiebungen verschärfen sich –
unsere Solidarität auch!
Liebe Freund*innen und solidarischen Menschen,
wir berichten hier, was wir seit Anfang 2025 mit Euren Spenden gemacht haben. Wir danken euch und bitten euch zugleich, weiter zu spenden – denn wir brauchen es mehr denn je.
„Vor einem Jahr hatte ich große Angst wegen der Abschiebung“, berichtet ein junger Mann aus dem Sudan. „Das Bürger*innenasyl Barnim hat mir ein Zimmer vermittelt und ich konnte diese Zeit überstehen, ohne abgeschoben zu werden, und ich musste in der Zeit weniger Angst haben. Als Deutschland für mein Asylverfahren zuständig wurde, habe ich vom BAMF eine Anerkennung bekommen. Ich bin vor dem Bürgerkrieg aus dem Sudan geflohen. Meine Familie ist noch dort. Zum Glück gibt es im Moment keinen Krieg in der Hauptstadt, aber ich gucke jeden Tag nach den Nachrichten. Inzwischen mache ich meinen B2 Kurs und will eine Ausbildung zum Krankenpfleger beginnen. Vor einem Jahr wurde mir so geholfen, jetzt möchte ich anderen helfen. Ich helfe beim Sprachcafe und bei anderen Projekten.“
Eine Frau aus Tschetschenien erzählt: „Ich habe in den zwei Jahren, die ich in Deutschland bin, noch keine so guten Menschen kennengelernt wie euch. Meine Kinder, mein Mann und ich wurden zweimal nach Polen abgeschoben, weil Polen wegen des Dublin Systems für uns zuständig war. Die Bedingungen in Polen sind unmenschlich. Außerdem sollten wir von dort nach Russland abgeschoben werden. Durch die lange Zeit auf der Flucht hatten unsere Kinder 3 Jahre lang kein Zuhause. Die Ungewissheit und Angst ist sehr schlimm für unsere Kinder. Zum Glück wurden wir an eine Gemeinde vermittelt, die uns ins Kirchenasyl aufgenommen hat. Endlich konnten wir zur Ruhe kommen. Wir sind so glücklich, wenn die Dublin-Frist vorbei ist und wir nicht mehr abgeschoben werden können.“
(Das Verwaltungsgericht Hannover urteilte im letzten Jahr, dass Dublin-Abschiebungen nach Polen unzumutbar
seien. Leider sahen das die Brandenburger Gerichte nicht so.
https://rsw.beck.de/aktuell/daily/meldung/detail/vg-hannover-15a503624-asyl-polen-rueckfuehrung-systemische-maengel-dublin-iii)

2025 und 2026 begegnete uns ein großer Abschiebedruck, wie wir auch in unseren Hilferufen beschrieben haben (https://www.b-asyl-barnim.de/hilferuf-uns-fehlt-geld-gegen-abschiebungen-im-barnim/). Täglich kontaktieren uns mehrere Menschen, darunter viele Frauen, die aus Angst vor Abschiebungen die Nächte nicht im Camp verbringen, sondern auf Bahnhöfen, in Zügen, obdachlos in Berlin oder im Wald. Sie suchen nach einer Unterkunft. Uns erreichen viel zu viele solche Anfragen, so dass wir eine Warteliste führen und „entscheiden“ müssen, wem wir das nächste frei werdende Zimmer geben. Dabei priorisieren wir Frauen* und queere Personen sowie andere besonders schutzbedürftige, z.B. auch eine Person im Rollstuhl. Diese „Entscheidungen“ fallen unheimlich schwer, denn wer kann schon sagen, welche Not schwerer wiegt, wenn doch alle in Not sind?

Dabei konnten wir so viele Menschen unterbringen wie noch nie. Im Jahr 2025 haben wir 57 Personen unterstützt, darunter 11 Kinder. Beispielsweise konnten wir im Dezember 14 Personen gleichzeitig unterbringen, in 7 Zimmern (oft in WGs) und einer Wohnung. Im Juli 2026 waren es sogar zeitgleich 17 Personen, davon 2 Kinder und 3 Jugendliche, in 9 Zimmern und einer Wohnung.

Finanzielles:
Stand Juli 2026 bekommen wir 57 monatliche Dauerspenden, das sind 2749,10 Euro insgesamt. Dazu kommen große und kleine Einzelspenden sowie Beiträge von Kirchengemeinden (bei Kirchenasyl), so dass wir insgesamt etwa 5000 Euro monatlich einnehmen. Die Ausgaben, fast ausschließlich für Lebensunterhalt und Zimmer, betragen allerdings aktuell 7350 Euro im Monat.
Durch unsere Hilferufe im letzten Jahr konnten wir die Zahl der Dauerspender*innen erhöhen und in 2025 die Ausgaben ziemlich genau decken. 2026 haben wir noch mehr Menschen untergebracht und haben dadurch mehr Ausgaben, bisher aber insgesamt weniger Einnahmen als letztes Jahr.
Wir hatten 2025 das Geld für Lebensunterhalt von 410 Euro (entsprach Asylbewerberleistungen) wegen unserer Geldknappheit gekürzt auf 300 Euro/ Monat (zum Vergleich: 564 Euro bekommen Hartz4-Empfänger*innen). Im Februar hatten wir beschlossen versuchsweise wieder zu erhöhen auf 350 Euro.
Da unsere Reserven im September an ihre Grenzen kommen, werden wir bald einen neuen Hilferuf versenden und evtl. Ausgaben kürzen müssen.

Initiative gegen Bezahlkarte: Seit über einem Jahr aktiv
Im Dezember 2024 begannen wir mit ersten Ideen und Plänen für eine Gutschein-Tausch-Initiative, die aus dem Barnim Solidarisch Netz geboren wurde, sich aber bald als eigene Gruppe organisierte. Im April 2025 konnten wir mit den ersten Tauschterminen starten. Seitdem tauschen wir für durchschnittlich 25 Menschen alle zwei Wochen Gutscheine gegen Bargeld. Die Bargeldmenge die zum tauschen verfügbar ist konnten wir seit 2025 von circa 2000,- Euro auf nun circa 3500,- erhöhen. Diese Menge wird auch regelmäßig getauscht und wir benötigen entsprechend beständig die Unterstützung von solidarischen Menschen, die an einem unserer drei Tauschorte in Eberswalde Gutscheine gegen Bargeld tauschen (Buchladen Mysak, Krumme Gurke, Tante Sören). Über das Jahr haben wir an diversen Veranstaltungen teilgenommen und waren mit Redebeiträgen, Ständen oder Infotischen vertreten. So zum Beispiel beim Radeln gegen Rassismus 2025, öffentlichen Veranstaltungen der Hochschule in Eberswalde wie dem Festival der Taten, bei Filmvorführungen usw. Außerdem stehen wir mit anderen Bezahlkarten-Inis in Kontakt und unterstützen auch aktiv den Aufbau von neuen Gruppen. Ein kleines Highlight war sicherlich unsere erste eigene Demo in Eberswalde im April 2026 mit über 100 Teilnehmenden, zu der es neben einem Artikel in der MOZ, auch überregionale Berichterstattung in der Taz gab.

Aktivitäten
Neben der konkreten Verhinderung von Abschiebungen durch Zimmer und Geld war es uns auch in diesem Jahr ein Anliegen, Aktionen zu organisieren oder uns an Veranstaltungen zu beteiligen. Unser Ziel ist es immer auch politischen Druck zu aufzubauen und uns in der Öffentlichkeit klar gegen das rassistische Abschiebesystem zu positionieren.
Wir haben Infostände gemacht u.a. in Eberswalde an der HNEE (Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde) bei der Erstsemester Rally und beim Tag der offenen Tür, beim Initiativentreffen in der Thinkfarm, beim Demokratiefest, bei einer Veranstaltung zum Thema Wohnen in Hausprojekten, bei der Filmvorführung „Kein Land für Niemand“ im Kino; sowie in Biesenthal beim Radrennen Steppencross und beim Regionalmarkt. Beim „Solidarity And Resistance Camp“ organisiert von SeaWatch gaben wir gemeinsam mt SoliAsyl Potsdam einen Workshop über Bürger*innenasyl. Wir zeigten mehrfach den Film „Green Border“.
Sichtbar auf der Straße waren wir wie jedes Jahr mit der Aktion „Radeln gegen Rassismus“ am 17.5.25 und 20.6.26 sowie mit der Aktion „Rassismus bekämpfen“ mit Glühwein und Punsch am Bahnhofsplatz Eberswalde am 04.12.2025. Ein Höhepunkt 2026 war die Demo „GEMEINSAM GEGEN DIE BEZAHLKARTE“ am 14.04.26 mit über 100 Teilnehmenden.

Danke für Soliveranstaltungen!
Besonders hervorheben möchten wir verschiedene Soliaktionen, bei denen Spenden für uns gesammelt wurden. Das war unter anderem auf dem Marktplatz Eberswalde am 22.2. und von Omas gegen rechts. Toll, dass wir so viel Unterstützung bekommen! Organisiert haben wir auch drei Solikonzerte im Bernau im Dosto und in Eberswalde im Studiklub und im EXIL. Vielen Dank an die solidarischen Bands und Veranstaltungsorte!
Wer mehr zu unseren Aktivitäten oder auch Aktionen im Barnim wissen möchte – vergangene oder zukünftige – kann sich gerne auf unserer Homepage Informieren: https://www.b-asyl-barnim.de/
Wir brauchen eure Spenden, damit wir gemeinsam laut und deutlich sagen und zeigen können:
Wohnungen für alle!
Bleiberecht für alle!
Recht auf Selbstbestimmung für alle!
Für einen solidarischen Barnim!
Insbesondere helfen uns Daueraufträge, auch kleine von 5 oder 10 Euro, um uns breit und langfristig finanziell aufzustellen. Einzelspenden nehmen wir natürlich auch gern an!
Euer Barnim Solidarisch am 06.08.2026
Spendenkonto:
Barnim solidarisch
IBAN: DE78 1705 2000 1110 0262 22
Sparkasse Barnim
Verwendungszweck: Unterstützung
Wir können für dieses Konto keine Spendenbescheinigungen ausstellen. (Wenn ihr nur mit Spendenbescheinigung spenden wollt, kontaktiert uns bitte vorher.)
Barnim Solidarisch bei gofundme!Über gofundme kannst du noch einfacher, z.B. per PayPal oder Kreditkarte, für unsere Arbeit gegen Abschiebungen spenden. Dafür nimmt gofundme 2,5% Transaktionsgebühren. Wenn du also klassisch per Überweisung oder Dauerauftrag spenden willst, kommt noch etwas mehr Geld bei uns an.

Mehr über uns auf unserer Website:
Kontakt: buergerinnenasyl-barnim@systemli.org